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Biketour durch Transkarpatien - Mit dem MTB in die Ukraine

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Aus einer Schnapsidee wurde Ernst: In meiner letzten Urlaubswoche geht es nun mit dem Mountainbike, statt durch den heimischen bayerischen Wald, in die Ukraine. Christoph aus Traunstein und ich brechen morgen auf in das, wie wir feststellen mussten, von den meisten Westeuropäern (noch!) mit Skepsis betrachtete Land im Zentrum Europas.

Nach umfangreichen Rechergen haben wir aber festgestellt, dass es in diesem unbekanntem Land neben netten Menschen auch eine wundervolle Landschaft geben soll. Allen voran natürlich die Karpaten. Diese über 1200km lange Gebirgskette ist auch das primäre Ziel unserer Reise: Wir fahren mit dem Rad nach Prag ('alles was sich reimt ist gut'), weiter mit dem Zug nach L'viv von dort aus geht es mit dem Rad weiter nach Ivano-Frankivs'k, wo wir Peter, einen Exkommilitonen aus Passau, besuchen. Dann endlich starten wir durch Transkarpatien bis in die Slowakei, wo es nach acht Tagen schon wieder zurück nach Bayern gehen soll....

Die Rucksäcke sind gepackt: Neben Pfefferspray gegen die Wölfe, haben wir noch nen Bärentöter (frisch geschärftes Taschenmesser) und Silberkugeln (wir streifen Transsylvanien) eingepackt. Christoph wollte sich noch nen Revolver mit einer Kugel (falls er sich vor ner Bärenhöhle den Fuß bricht) für den Gnadenschuss mitnehmen, den werden wir aber wohl nicht über die Grenze bringen.... Zudem habe ich mir für die weiten Tagesetappen auf Teer (nach Prag sind es schon mal über 200km) noch Strassenreifen aufgezogen, was auf meinem, an 2,40er Mäntel gewöhntem Mountainbike, doch reichlich komisch aussieht.... naja, was macht man nicht alles für die Performance!

Morgen, Samstag den 05.09.09 um 7.00 Uhr ist Start. Wir halten Euch auf dem Laufenden!

Tag 1

Regnet es, oder regnet es nicht? Das war die grosse Frage, die uns vor der Abfahrt beschaeftigte. Es war zwar stuermisch, aber insgesamt hatte das Wetter gehalten. Mit je 25kg auf dem Ruecken und unseren Mountainbikes machten ukraine1wir uns also auf den Weg nach Prag. Wir folgten ab Eschlkam weitgehend dem Radweg 3 (Jakobsweg). Die Aussicht auf Ausschlafen in Prag und 2, 3 Bierchen am Abend verlieh uns Fluegel und liess uns die die gut 200km (natuerlich haben wir uns trotz guter Beschilderung auch ein paar mal verfahren) am ukraine2ersten Tag bewaeltigen.  Gluecklich und erschoepft in Prag angekommen haben wir gleich ne Unterkunft auf einem Hausboot ergattert.....





GPS-Daten, Karten und Höhenprofil der Etappe



Tag 2

Nach ausgiebigem Fruehstueck auf unserem Hausboot stand erst mal eine Sightseeingtour durch die goldene Stadt Prag auf dem Programm. Statt, ukraine3wie vorgesehen, mit dem Zug in die Ukraine zu starten riet uns unsere Bootsbesitzerin, lieber mit dem Bus weiterzureisen und organisierte uns auch gleich die Fahrt. Kurz vor der Abfahrt mussten wir den Busfahrer bestechen, damit er unsere Raeder nicht wieder auslaedt.... das kann ja heiter werden, aber jetzt gibts kein Zurueck mehr.. also ab in die Ukraine




Tag 3

Nach 15stuendiger Busfahrt und ausgiebiger Grenzkontrolle kamen wir heute morgen um 9.00 Uhr in Lemberg (Lviv) an. Der Hunger trieb uns auch gleich in die wirklich schoene Altstadt und veranlasste uns zu einem ausgiebigen Brunch.... Sushi, typisch ukrainisch :) Der obligatorische Wodka (Mindestmenge sind hier 50ml) weckte unsere Lebensgeister und so starteten wir die 130km nach Ivano-Franziskz.  Dies gestaltete sich anfangs etwas schwerer als gedacht. Voellig blind (lauter kyrillische Zeichen) suchten wir uns den Weg und mussten uns ueber einige Kilometer auf der Autobahn nach Kiew (oder was man hier so Autobahn nennt) wieder auf den rechten Weg kaempfen. Anschliessend galt es den zahlreichen Kuehen und Huehnern auf den Strassen auszuweichen. Unserem Gastgeber Peter waren wir scheinbar zu langsam und er holte uns kurz vorm Ziel ab. Hier sitzen wir nun bei unseren vorzueglichen Gastgebern und geniessen das Abendessen. Heute abend werden wir noch ein paar Bierchen zum Wodka geniessen... und morgen gehts dann endlich in die Karpaten.. Peter wird uns wohl die ersten paar Kilometer begleiten...

GPS-Daten, Karten und Höhenprofil der Etappe

Tag 4: Di, 08.09.09

Heute haben wir keine Lust zum Radfahren und schlafen uns erstmal aus (wir haben ja Urlaub und die Nachtfahrt im Bus nach Lviv fordert nun doch ihren Tribut). Nach gemuetlichem Pizzaessen geht es zum Rope Jumping. Peter hatte es eigens fuer uns organisiert und es war wirklich irre. Wir fuhren zur ner stinknormalen 40m hohen Autobahnbruecke und die Veranstalter spannten hier einfach die Kletterseile... Der Sport ist schwer zu beschreiben und wir werden bald einige Fotos und Videos liefern, falls es Euch interessiert gebt einfach mal bei Youtube Rope Jumping ein... wow, war echt klasse!

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Anschliessend fuhr uns Peter, dem wir wirklich sehr dankbar fuer seine Gastfreundschaft sind, zu einer Freundin in einem kleinen Dorf in den Karpaten. Wir uebernachteten fuer umgerechnet 5Euro in einem urigen Holzhaus mit super Blick auf die Berge...



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Tag 5: Mi, 09.09.09

Heute machten wir die mountainbiketechnisch und landschaftlich wohl spektakulaerste Tour unserer Reise. ukraine8Wir fuhren direkt in den Naturpark der Karpaten und ueberquerten mit dem Bike die zwei hoechsten Berge der Ukraine (Hoverla und Petros). ukraine11Der Veranstalter des Rope Jumping vom Vortag sagte uns, dass diese Tour machbar ist, unsere Herbergsmama und sogar Peter rieten uns eher ab. Ob wir Zelt, Schlafsack und Lampen dabei haetten.... naja, nach 80km und knapp 7 Stunden war die Sache erledigt (wir dachten eigentlich die Ukrainer waeren haerter im nehmen:) und wir sind gut (und gluecklich dass wir diese Supertour gemacht hatten) in Rhakiv angekommen. Bis auf einige hundert Meter war alles super fahrbar mit wirklich tollen Trails und Hoehenwegen.

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Tag 6: Do, 10.09.09

Heute gibt es endlich wieder Internet, denn wir sind bereits in Uzghorod, der Hauptstadt von Transkarpatien, angekommen. Befluegelt von den relativ lockeren 200km nach Prag und der gestrigen Etappe hatten wir uns heute die 220km nach Uzghorod vorgenommen... und uns natuerlich klar ueberschaetzt! Nach 165km (es war bereits 18:00 Uhr und um 20:00 Uhr wirds dunkel) sassen wir bockfertig in einer Gaststaette beim Essen und ueberlegten fieberhaft, wie wir wohl ukraine14die restliche Strecke bewaeltigen sollten. Nachdem wir keine Bushaltestelle finden konnten, stellte ich mich (zum ersten mal im Leben und das in der Ukraine) auf die Strasse und versuchte mich als Anhalter... anscheinend gar nicht so schlecht, denn 10min spaeter sassen wir schon in nem alten Lieferwagen auf dem Weg zur Hauptstadt. 10km vorm Ziel wurden wir wieder ausgesetzt und schafften es gerade noch bis zur vollkommenen Dunkelheit ein Hotel zu finden. Heute goennen wir uns mal was: Wir sind im besten Hotel der Stadt (fuer etwa 20€) und freuen uns schon jetzt aufs morgige Fruehstuecksbuffet :)

Morgen geht es voraussichtlich in die Slowakei und evtl. schon nachts zurueck nach Deutschland!

GPS-Daten, Karten und Höhenprofil der Etappe

Tag 7: Fr, 11.09.2009

Gleich zu Beginn des Tages wollten wir bei Uzhgorod über die ukrainische Grenze rollen, um in der Slowakei unseren Zielort Kosice zu erreichen. An der Grenze hieß es dann nur 'no cyclo', wir durften weder zu Fuß, noch auf dem Rad die Grenze passieren. Der Beamte teilte uns aber freundlicherweise mit, dass es etwa 20km südlich einen Übergang für Fußgänger und Fahrräder geben sollte. Schweren Herzens und mit noch schwereren Wadln machten wir uns also an die rund 30km Umweg. Glücklicherweise hatte eine Gruppe (englischsprechender) Fahrradtouristen aus Tschechien das selbe Problem und führte uns (der Landessprache mächtig) zu besagtem Grenzübergang. Die besagte Grenze gab es wirklich und hier ging wenigstens die Kontrolle schnell. Spätestens als die Zöllner bei meinen Socken angelangt waren winkten sie uns mit tränenden Augen ('da Gstank wars ja ned, oba des Brenna in de Augn') durch und wir fuhren, auf teilweise sehr stark frequentierten Strassen, die letzten 110km unserer Tour in die wunderschöne Stadt Kosice.  Hier trennten sich unsere Wege. Christoph wollte mit dem Zug über Bratislava und Salzburg nach Traunstein und ich fuhr über Prag zurück nach Cham.

GPS-Daten, Karten und Höhenprofil der Etappe

Tag 8: Sa, 12.09.09

Die geplante, chillige Rückreise wurde heute zur echten Odyssee. Mit über zwei Stunden Verspätung erreichte ich Prag (der Anschlusszug und die Fahrradreservierung nach Cham waren somit dahin) und bei der Abgabe meines Fahrradvouchers schaute mich der Schaffner nur mit ungläubigen Blick an und murmelte immer wieder 'problema, problema'. In diesem Moment merkte sogar ich mit meinen fünf Brocken Tschechisch, dass mein geliebtes MTB unauffindbar war. Doch ich hatte Glück im Unglück: Plötzlich stand die tschechische Radgruppe, die wir gestern in der Ukraine kennenlernten und die zufälligerweise denselben Zug benutzte wie ich, hinter mir und fungierte als Dolmetscher. Nach unzähligen Telefonaten stellte sich heraus, dass mein Bike bereits in Brno ausgestiegen war und dort auf seinen Besitzer wartete. Naja, wenigstens konnte ich erreichen, dass es nach Domazlice weitergeleitet wird und ich es dort (hoffentlich) morgen früh abhohlen kann..Mann wird sehen, oder wie sie in der Ukraine immer gesagt haben: 'No problema'.

Nach etwa 20 Stunden Zugfahrt bin ich nun endlich zu Hause und leg mich erst mal in die Badewanne... :)

Tourdaten:

735,57 km

5079 Höhenmeter

28h 21min reine Fahrzeit

24433 Kalorien :-)


Kommentare

avatar Christoph
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Das wird ein Spaß! Peter hat uns nochmal wegen Rope Jumping gefragt. Ich habe gesagt, wir überlegen uns das vor Ort. Bis später.
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