U.TLW 2018: Michael beim Trailrunning Fest im Bayerischen Wald

Michael Münsterer lief auf seiner Heimatstrecke das Rennen seines Lebens und finishte auf einem starken 12. Platz. Hier berichtet er von seinen Erlebnissen auf den „Home-Trails“ im Lamer Winkel:

Bild: Marco Felgenhauer

„Von und für Trailrunner“ lautet der Spruch auf der Hompage des Dynafit U.Trail Lamer Winkel und das kann wahrscheinlich jeder einzelne Läufer, der hier am Start war, bestätigen. Ein rundum perfekt organisierter Lauf, den hier das Team Gamsbock zum dritten Mal auf die Beine gestellt hat.

Es standen wieder zwei Strecken zur Verfügung, bei denen insgesamt rund 700 Läufer an den Start gingen. Zum einen den „Osser-Riese“ mit 24 Kilometer und 1200 Höhenmetern, zum anderen den „König vom Bayerwald“ mit 55 Kilometer und 2600 Höhenmeter.

Erfahrungsbericht Michael

Es fällt mir schwer in Worte zu fassen, wie ich den U.TLW empfunden habe. Unbeschreiblich um ehrlich zu sein, wenn man bei so einem Event, in seinem Heimatdorf starten darf und von Freunden, Verwandten und Bekannten über die gesamte Strecke angefeuert wird.

Im Startblock umgeben von Top-Läufern freute ich mich riesig auf den Startschuss und war gleichzeitig auch richtig angespannt, mit der Angst einen schlechten Tag zu erwischen. Vom Start weg fühlte ich mich aber sehr gut und lief mit in einer 4er Gruppe Bayerwoidla (Thomas Lechermann, Schober Andreas und Wanninger Thomas) zur Bergwertung am Eck. Und was sich am Eck abspielte, war verrückt, hunderte von Leuten feuerten uns in dreier Reihen an. Es war absolut überwältigend, ein riesen Dankeschön an alle Zuschauer.

Auch den weiteren Rennverlauf bis hin zum kl. Arbersee hätte ich mir nicht besser wünschen können. Mein Freund und Trainingspartner Thomas Lechermann und ich bewältigten zusammen, gut gelaunt, Gipfel um Gipfel. Leider plagten Thomas nach dem Downhill vom Gr. Arber zum kl. Arbersee Krämpfe, so musste ich von da an ohne ihn weiter. Der nächste längere Anstieg bis zur nächsten VP Scheiben ging ziemlich locker und oben angelangt wurde ich belohnt mit einem erneuten Stimmungsnest voller Zuschauer, genial…

Noch zwei Anstiege vor mir und immer noch bestens gelaunt ging’s weiter Richtung Zwercheck, auch dieser Anstieg ging noch relativ locker von den Beinen.
Die lange Forststrecke bis hin zum letzten Anstieg auf den Osser zog sich dann schon und allmählich waren auch die Beine nicht mehr ganz so locker. Diesen letzten Gipfel musste ich mir richtig erkämpfen und auf jeden Schritt aufpassen, denn bei jedem zu langen merkte ich, dass die Waden zumachen. Die Strecke hinauf zum Osser bin ich wahrscheinlich schon so rund um die 50mal gelaufen, aber so hart war’s noch nie. Immer wieder redete ich mir ein: „da bist scho so oft afe, etz kimmst heid a no afe“.

Oben angelangt in dem Wissen jetzt nur noch bergab ins Ziel, war ich überglücklich und auch die Zuschauer hier bei der letzten VP machten wieder eine Hammer Stimmung. Den Abschluss diesen genialen Rennens, auch ihn hätte ich mir nicht viel besser wünschen können. Kurz vor dem kl. Osser traf ich nämlich auf Lukas Sörgel, der leider auch von Krämpfen geplagt, schon das Tempo herausgenommen hatte. So beschlossen wir gemeinsam den Downhill bis ins Ziel zu laufen. Danke Lukas, es war mir eine Ehre! 🙂

Der Zieleinlauf, wie nicht anders zu erwarten absoluter Wahnsinn. Danke danke danke an alle diese Zuschauer für diese Stimmung. Danke an alle Helfer und natürlich das Orga-Team für diese perfekte Veranstaltung. 5:46:05 Stunden war ich für die 55km und 2600hm unterwegs und im Nachhinein muss ich sagen, es war jede einzelne Minute wert. Für mich der beste Trailwettkampf, einfach geil bei uns im Woid…

Markus bei der Trailrunning WM: Harter Ritt nach Sant Joan

Frenetisch jubelnde Zuschauer in den engen Gassen Kataloniens, ein technischer, harter aber wunderschöner Kurs mit gefühlt 80 % Singletrailanteil, ein Weltklasse Starterfeld mit würdigen Weltmeistern und dazu eine hochsympathische deutsche Mannschaft mit einem sagenhaften „WIR-Gefühl“.  

Markus Mingo berichtet von der Weltmeisterschaft im Trailrunning:

Von Beginn an Gänsehaut

Bereits die Eröffnungszeremonie donnerstagabends erzeugte Gänsehautfeeling pur. Die Nationen zogen durch die Gassen der 170.000 Einwohnerstadt Castellon und wurden von der Bevölkerung frenetisch gefeiert. Es war gefühlt die ganze Stadt auf den Beinen und feierte Ihre „Helden“ der spanischen Volkssportart Trailrunning.

Samstag 5:50 Uhr befinden wir uns im hell erleuchteten Stadion Castellons. Musik dröhnt aus den Boxen und die Athleten aus 49 Nationen stehen angespannt an der Startlinie. Ein WM Start ist etwas Besonderes: Alleine die Nationaltrikots, 400 ausgezehrte, bis aufs äußerste trainierte Läufer, minimalistische Ausrüstung. Jeder weiß hier genau was er tut – jeder hat seine ganz spezielle Wettkampfstrategie für die bevorstehenden 86km und 5000 Höhenmeter.

Ballern ab Kilometer 0

Nach dem Startschuss wird losgeballert, dass einem angst und bange wird. Die Sportler sprinten die obligatorische Stadionrunde regelrecht, bevor es raus in die Dunkelheit geht. Nach etwa zwei Kilometern biegt die Route ab auf einen schier endlosen Singletrail. „Läufe sollten öfters so früh am Morgen beginnen“ schießt es mir durch den Kopf. Damit meine ich nicht den Wecker um 3:15 Uhr oder das Frühstück um 3:30 Uhr, sondern diese besondere, fast mystische Atmosphäre, die die beginnende Morgendämmerung auf den schmalen Pfaden, hoch über den Dörfern Kataloniens erzeugt.

Der Deutschlandexpress rollt

Ich treffe auf Benni Bublak und Matthias Dippacher vom Team Germany und zusammen rollt der Deutschland Express ganz gut über die ersten Kilometer. Dann der einzige Wehrmutstropfen dieses wunderschönen Laufes. Auf der anspruchsvollen Strecke reicht ein kleiner Fehltritt und schon schlage ich hart auf den steinigen Boden auf. Der Arm ist erstmal taub, doch der Schmerz vergeht und etwas benommen laufe ich weiter. Trotzdem: Ab diesem Zeitpunkt habe ich eine Blockade im Kopf und während ich ansonsten jeden Downhill genieße und mich auch bei flottem Tempo erholen kann, laufe ich die schweren Passagen heute ängstlich und völlig verkrampft nach unten. Das kostet leider Zeit und Kraft.

Ansonsten ist der Wettkampf einfach nur schön. Immer wieder passieren wir katalonische Dörfer und werden durch ein Spalier unzähliger Zuschauer, unterstützt durch Kuhglocken Gebimmel und das Läuten der Kirchenglocken, lautstark gefeiert und angefeuert. Ein unglaubliches Gefühl und wahre Streicheleinheiten für die Sportlerseele – alleine dafür hat sich das harte Training im Vorfeld gelohnt.

Das Rennen läuft gut: Bei Weltmeisterschaften ist eine Versorgung nur an den ausgeschriebenen Verpflegungsstellen (hier bei Kilometer 31, 42, 63) erlaubt und klappt Dank der herausragenden Betreuung durch Jens Lukas und seiner Frau Maya ausgezeichnet. Ich laufe einen Großteil der Strecke mit Matthias Dippacher und wir sind gut unterwegs: VP2 (42k, 2200hm) passieren wir nach knapp vier Stunden und auch bei 52 Kilometer blicke ich auf die Uhr. Es sind hier exakt 2670HM und 5:20h. Den U.TLW hätten wir also gerade im Kasten. Hier treffen wir auch auf den schwedischen Superstar Andre Jonsson – er geht, wir laufen. Team Schweden kassiert – jagga. Vorbei geht es auch an der deutschsprachigen Konkurrenz aus den Nachbarländern. Wir überholen Florian Grasl (AUT) und Urs Jenzer (SUI), die immerhin Siege beim Großglockner Ultratrail oder beim Eiger Ultratrail auf dem Buckel haben. Somit setzen wir uns in der Teamwertung auch vor Österreich und die Schweiz.

Mixed Emotions: Ultra pur

Ab Kilometer 68 erlebe ich dann innerhalb kürzester Zeit die ganze Bandbreite des Ultra(trail)laufens. Emotionen von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt im ständigen Wechsel. Die heißen Temperaturen und die wenigen Verpflegungsstellen fordern ihren Tribut und mir geht das Wasser aus. Völlig dehydriert quäle ich mich die steilen Anstiege nach oben und muss Dippi ziehen lassen. Hier wünsche ich mir Johannes herbei, der mich im letzten Jahr bei der deutschen Meisterschaft als Tempomacher so grandios unterstützt hatte und mich regelrecht den letzten Berg hochtrieb. Giovanni wo bist du? Einige Kilometer später schaltet wohl der Körper (immer noch ohne Wasser) auf Notreserve. Plötzlich laufe ich wieder leicht und locker, genieße die schmalen Pfade und habe das Gefühl ewig so weitermachen zu können. Flow pur nach 75 Kilometern und 4500 Höhenmetern. Leider hält dieses „ewig“ nicht allzu lange und nach etwa 82 Kilometern passiert das, was sich bereits vor einiger Zeit angekündigt hatte: Alle Kraft weicht aus dem Körper, ich bin leer, ausgebrannt, habe das Gefühl zu verdurschten – nichts geht mehr. Im Anstieg zwinge ich mich, auf beide Stöcke gestützt, ein Bein vor das andere zu setzen, Schritt für Schritt nach oben. Ich kämpfe gegen den „Mann mit dem Hammer“ und beginne im flacheren Gelände wieder locker zu Joggen und bergab zügig zu laufen.

Ich muss, ich will, ich KANN

Endlich eine Wasserstation. Das Ziel vor Augen aktiviere ich die letzten Reserven und kann nach gut 88 Kilometern (die Route wurde aus Naturschutzgründen verlängert) erfolgreich am Kloster Sant Joan finishen. Diese WM Strecke hat mir alles abverlangt, aber auch so unendlich viel gegeben. Am Ende bleiben für mich „nur“ der 44. Platz in der Einzel- und der 5. Platz in der Mannschaftswertung. Auch wenn bei optimalem Rennverlauf noch etwas mehr möglich gewesen wäre sind 88km, 4900hm in 10:02h auf dieser technisch anspruchsvollen Strecke ein starker Auftritt. Ich muss, ich will, ich KANN mit  dieser Leistung zufrieden sein und bin stolz Teil dieses wunderbaren deutschen Teams gewesen zu sein. Für mich war die Trailrun WM im spanischen Castellon das Größte und Außergewöhnlichste was ich bisher als Sportler erleben durfte. Die Tatsache, dass auch der Weltmeister Luis Alberto Hernando am nächsten Morgen beim Frühstück etwas unrund ging, beruhigte ungemein.

Ergebnisse, Bilder gibt es hier

Wolfgang´s Jahresrückblick 2017

Mein Jahr startete aus läuferischer Sicht eigentlich äußerst unspektakulär. Zum einen plagten mich noch ein paar Wehwehchen aus der Laufsaison 2016, zum anderen reizten mich zu dieser Jahreszeit Alternativsportarten, wie Langlauf und Tourenski einfach deutlich mehr. Ein Traumwinter im Januar mit bester Schneelage ermöglichte ein paar tolle Skitouren direkt von meiner Haustüre aus und die naheliegenden Loipen waren auch bestens präpariert.

Den tollen Winter krönten wir dann Mitte April zum Abschluss mit einem „gschmeidigen“ Skitouren-Ausflügerl nach Zermatt und Chamonix. Wobei „Chamonix“ in diesem Fall wirklich ein Satz mit „X“ war und wir noch an Ort und Stelle direkt von der Skitourenausrüstung auf kurze Hose und Laufschuhe umstiegen. Der Umstieg von Ski auf Lauf war kurz und schmerzvoll, denn wir nahmen uns dort gleich mal die Vertical KM Stecke vor J

 

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Die Groß(artig)e Reibn – Skitouren-Klassiker der Ostalpen

Über ca. 4.300 Höhenmeter und 47 Kilometer führt die legendäre hufeisenförmige Runde durch das winterliche Hagengebirge und Steinernes Meer im Berchtesgadener Land. Johannes vom Team Gamsbock schaute sich die Strecke zusammen mit zwei Freunden endlich mal genauer an.

„Unglaublich“ entfährt es mir schon wieder, als ich im Schein meiner Stirnlampe die nächste Spitzkehre in den 20cm tiefen Pulverschnee hinauf zum Schneibstein setze.

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Auerhahntrail 2017: Lauffreude pur

ARBERLAND Ultra Trail

Bei nur vier Grad Celsius wagten sie sich auf die 60 Kilometer lange Strecke, bei der es insgesamt 2500 Höhenmeter und 7 Gipfel zu bewältigen gilt. Mit Silberberg, Kronberg, Harlachberg, Sternknöckl, kleiner Arber, großer Arber und Mittagsplatzl waren damit alle Highlights rund um Bodenmais vertreten. Um zehn Uhr, bei mittlerweile strahlenden Sonnenschein erfolgte der Start über die 35 Kilometer-Distanz: der Auerhahntrail ist nur gut halb so lang, aber mit 1500 Höhenmeter auch nicht zu unterschätzen. Schließlich stand gleich zu Beginn der Anstieg auf den kleinen Arber über den Hochfall an, bevor es dann auf den großen Arber ging.

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Deutscher Meister Ultratrail 2017: Mein perfekter Lauf

Es gibt sie diese perfekten Tage und Wochenenden. Bei mir spielen sie sich häufig in den Bergen ab, in diesem Fall im Rahmen des Zugspitz Ultratrail 2017. Einmal im Jahr trifft sich die komplette deutsche Trailszene am Fuße der Zugspitze in Grainau um den Sport zu feiern und sich über mittlerweile fünf verschiedene Distanzen zu messen. 2500 begeisterte Trailrunner tummeln sich in Grainau um bei diesem größten und prestigeträchtigsten Rennen auf deutschem Boden dabei zu sein. Für mich ist es mittlerweile der fünfte Auftritt an der Zugspitze: Hier war ich 2011 bei der Erstaustragung dabei, bin seitdem dieser Sportart verfallen und komme regelmäßig und gerne wieder ins Zugspitzdorf Grainau. Das Besondere in diesem Jahr: Über die Supertrail XL Strecke (81 Kilometer und 4400 Höhenmeter) wird die Deutsche Meisterschaft im Trailrunning ausgetragen, die ich mir als Saisonhöhepunkt im Wettkampfplan gesetzt hatte. Außerdem ist meine komplette Familie dabei und wir verbinden den Zugspitz Ultratrail mit vier Tagen Urlaub in der Region.

Perfekte Vorbereitung

Zum ersten Mal hatte ich keinen Stress am Vortag: Während ich sonst freitags um 13:00 Uhr aus der Schule ins Auto hetze, mich über den obligatorischen Stau durch München und auf der A95 in Richtung Garmisch ärgere, kurz vor Ladenschluss meine Startunterlagen hole und mir spätabends beim Packen der Pflichtausrüstung noch ein paar Nudeln reinschaufle, beginne ich den Freitag mit einem lockeren Läufchen in Richtung Feldernjöchel und sitze Nachmittags entspannt mit meinen Liebsten auf der Ehrwalder Alm beim „Carbo-Loading“. Akribisch hatte ich den Lauf geplant, die Strecke in Teilabschnitte zerlegt und einen Zeitplan für meine „Betreuer“ erstellt den wir nun gemeinsam durchgehen. Für jede Verpflegungsstation packe ich ein Tütchen mit Aktiv3 Gels, Reisriegeln oder sonstigen „Leckereien“, dass mir meine Liebsten reichen und dessen Inhalt ich bis zur nächsten Verpflegungsstelle verbrauchen wollte um meinen Energiehaushalt aufrecht zu erhalten.

Perfekte Betreuung

Beim Start in Ehrwald schleicht sich doch etwas Nervosität ein: Viele bekannte Gesichter der Szene. Ambitionierte Sportler und starke Trailrunner, die vor allem eins im Sinn haben: Deutscher Meister werden. Trotz der mörderischen Distanz von 81 Kilometern geht es vom Start weg richtig zur Sache. Das Tempo ist flott aber ich halte mich am ersten Anstieg die 1200 Höhenmeter hoch zum Feldernjöchel (2300m) betont zurück. Ich habe mir eine klare Strategie zurechtgelegt und die heißt: Gut verpflegen und in keiner Phase überziehen. Je länger ein Wettkampf, desto wichtiger ist es mit der zur Verfügung stehenden Energie (in Form von gespeicherten Kohlenhydraten) effizient umzugehen.

Bildlich kann man das vielleicht am Benzinverbrauch eines Autos beschreiben: Bei Tempo 200 benötigt ein Wagen deutlich mehr Sprit als bei 140. Genauso ist es auch beim menschlichen Körper. Die „Effizienzgrenze“ meines „Motors“ liegt bei etwa 300 Watt. Ich kann diese Leistung zwar über einige Zeit laufen, brauche dabei aber unverhältnismäßig viel „Sprit“, was sich im Laufe eines 9-stündigen Wettkampfes irgendwann rächen wird. Also bleibe ich brav unter dieser Marke und laufe „nur“ als Achter über den ersten Berg.

Bereits beim ersten Downhill merke ich, dass es heute mein Tag werden könnte: Ich fühle mich unglaublich leichtfüßig, genieße diesen Streckenabschnitt und merke schnell, dass mir bergab keiner das Wasser reichen kann. Kurz vor dem zweiten Anstieg zum Scharnitzjoch (VP4) stehen Johannes Schmid und seine Freundin Lucia, mit Kuhglocke und Verpflegungstüte bewaffnet, um mich lautstark anzufeuern.

Perfektes Rennen

Auf dem Weg zum Scharnitzjoch (20K) übernehme ich schließlich die Führung, die ich auch bis zum Ende nicht mehr hergeben sollte. Tage wie diese sind der Traum eines jeden Sportlers: Ich fühle mich ungeheuer fit und leichtfüßig, freue mich auf den vor mir liegenden Streckenabschnitt und fliege fast über die Trails. Mit einem regelrechten Hochgefühl komme ich am Hubertushof (33K) an, wo Veronika und mein Sohn Paul auf mich warten. Küsschen, drücken, lächeln, Verpflegungstüte entgegennehmen – nochmal Küsschen. Ich genieße diese Begegnung so sehr genossen, dass ich fast zu lange an der Verpflegungsstelle bleibe und mich Veronika mit „Eitz schau dasd weiderkummst“ endlich weiterschickt. Nun beginnt der langweiligste Teil der Strecke: 25 Kilometer im eher flachen Gelände mit sehr viel Schotteranteil. Hier kann ich bereits viele Läufer der kürzeren Distanzen überholen, die mich teilweise kennen, anfeuern und das Ganze relativ kurzweilig gestalten. Trotzdem bleibt das ständig mulmige Gefühl: „Bin ich schnell genug unterwegs? Wie weit sind die Konkurrenten hinter mir?“ Vorbei am Ferchensee, mit großem „Hallo“ von der Familie begrüßt, freue ich mich darauf bei der Partnachalm (K60) endlich wieder alpineres Gelände zu erreichen. Ich weiß hier wartet der unermüdliche Johannes auf mich, um mich den letzten Anstieg zum Gipfel zu begleiten. Trotz der Freude ihn und Lucia zu sehen, beginnt hier der härteste Abschnitt des Tages: Ich war beim ZUT bereits fünf Mal auf unterschiedlichen Distanzen unterwegs. Aber egal ob 25, 40, 60 oder 80 Kilometer – dieses Teilstück hoch zur Längenfelder Talstation ist immer zäh. Schier endlos zieht sich der Weg durch den Wald. Gerade so steil, dass man nicht weiß ob Laufen oder schnelles Gehen besser ist. Ständig beschleicht mich die Angst, viel zu langsam unterwegs zu sein. Aber Johannes bringt mich sprichwörtlich über den Berg. Hervorragend gelaunt treibt er mich an, versichert mir „sauguad unterwegs“ zu sein und dass ich heute „der Stärkste“ bin. Auf seine unnachahmlich charmante Art bittet er auch die Läufer vor uns ihn und „seinen Freund hier“ bitte kurz vorbeizulassen. Auf seinem Rucksack gepinnt prangt eine besondere Überraschung: Ein Bild von mir beim siegreichen Zieleinlauf beim Arberland Ultratrail, versehen mit Motivationssprüchen. Wie ein Muli der Karotte folge ich also meinem eigenen Konterfei bis zur Talstation Längenfelder. Hier wird mir endlich klar: Wenn ich als erster am Osterfelder bin, bringe ich  das Ding heim und werde Deutscher Meister. Voll motiviert laufe ich also dem letzten Gipfel entgegen – weit und breit keine Konkurrenz in Sicht. Oben angelangt gibt mir Johannes noch ein „brings hoam“ mit auf den Weg und genau das mache ich auch. Konzentriert und locker laufe ich den letzten Downhill nach unten mit dem unbeschreiblich geilen Gefühl noch einen Zahn zulegen zu können, sollte es nötig sein. Fünf Kilometer vor dem Ziel bekomme ich endlich die Information etwa 15 Minuten Vorsprung zu haben. Was dann kommt wird ein einziger Triumphlauf: Einige Läufer erkennen mich, feuern mich an, singen, jubeln mir zu und feiern mich bereits als Deutschen Meister. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht genieße ich jeden Meter hinab nach Grainau. Dort angekommen wird mein Grinsen noch breiter. Martin Mühlbauer und Michael Münsterer nehmen mich zwei Kilometer vor dem Ziel in Empfang und eskortieren mich. Auf den letzten 500 Metern erwartet mich Lucia mit der altbekannten Kuhglocke, läuft vor mir her und bimmelt mich lautstark durch die Gassen. Nach 81,6 Kilometern, 4371 Höhenmetern und 9h:02min laufe ich euphorisch und ungeheuer stolz ins Ziel. Perfekter Tag. Perfektes Rennen. Amtierender Deutscher Meister im Ultratrail. Wow! J

Hier gibt es weitere Infos, Bilder und Ergebnisse:

Text: Markus Mingo

Foto: Marco Felgenhauer

Zugspitz Trailrun Challenge 2017

Höher und spektakulärer geht’s nicht bei einem Traillauf-Event in Deutschland. Der Gipfel der 2.962 m hohen Zugspitze ist atemberaubender Zielpunkt für Deutschlands härtesten Marathon bei der vierten Auflage der SCOTT ROCK THE TOP – Zugspitz Trailrun-Challenge vom 22. bis 23. Juli. Gestartet wird im österreichischen Ehrwald. Der traumhaft schön gelegene Ort inmitten der Berglandschaft der Zugspitz Arena Bayern-Tirol ist diesmal Schauplatz aller vier Wettkämpfe an zwei Tagen. Vor allem die Marathon-Strecke von Ehrwald auf die Zugspitze hat es in sich: 4.076 Höhenmeter im Aufstieg auf 45 Kilometer Distanz sind hier zu bewältigen. Auch der Zugspitz Berglauf ist ein Rennen für technisch versierte und alpin erfahrene Läufer. 15,8 km und 2.127 Höhenmeter sind nichts für Anfänger. Wer es weniger extrem mag, der findet im Halbmarathon (20,9 Kilometer und 1035 HM) und in der 10 km-Kurzdistanz (495 HM) passende Alternativen.

Das Team Gamsbock stand mit Johannes, Lucia, Martin und Markus an der Startlinie:

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IATF 2017: Martins Rennbericht

„Zefix nomoa des gibt’s o ned , wos is an des fir a Sch…“ hab ich mir gedacht als wir am Freitag auf der Autobahn Richtung Garmisch- Partenkirchen unterwegs waren. Es schneite ganz schön heftig und es ging nur schleppend voran. Insgesamt waren wir 5 ½ Stunden  von Bad Kötzting nach Innsbruck unterwegs. Zum Glück hatten wir einen bärenstarken Fahrer mit Miche Münsterer und das Carbo Loading war durch Maria auch sichergestellt. Markus und ich hatten ganz schön zu tun um alles zu vertilgen. Ich war richtig erleichtert als wir in Innsbruck ankamen und sogar noch unsere Startunterlagen mit 30 minütiger Verspätung empfangen konnten. Auf uns warteten schon Steffi und Marco die für die Unterkunft gesorgt hatten. Organisatorisch alles bestens geplant.

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