Vertical Up Kitzbühel 2016 – a hell of a run!

Die Schlacht am Hahnenkamm ist geschlagen.

„Immer wenn ich die XS-Hosen flattern sehe, weiß ich, jetzt ist Vertical Up Zeit hier am Hahnenkamm“, begrüßt uns der Moderator und lässt dabei den Blick über die angespannten Gesichter in der ersten Startreihe schweifen. Ich muss feststellen: hier gehöre selbst ich zu den etwas „Massiveren“ :-) Die Anspannung steigt ins unermessliche bei dem Gedanken daran, dass ich gleich von 1000 Verrückten, bewaffnet mit Spikes und Stöcken, den Berg hochgejagt werde. Hunderte Zuschauer zählen den Countdown runter und schon bei „Fünf“ explodiert die angestaute Spannung und die Meute stürmt los, als gäbe es kein Morgen mehr.

Innerhalb weniger Jahren wurde das Vertical Up am Hahnenkamm zur absoluten Kultveranstaltung. Das Format ist so einfach, wie genial: es gilt die Streif, die legendärste und steilste Ski-Abfahrt der Welt, durch eigene Kraft, so schnell wie möglich zu bezwingen – bergauf, versteht sich! Bei der Materialwahl ist alles erlaubt, solange der Aufstieg aus eigener Kraft geschieht. Die blanken Zahlen: 3,3 Kilometer, 860 Höhenmeter, 85% max. Steigung

Ich stürme los. Innerhalb weniger Meter dreht der Puls auf jenseits der 180 auf, was die nächsten 43 Minuten so bleiben sollte. Zum Glück habe ich mich ganz rechts vorne im Startblock aufgestellt und somit die Hausbergkante über die rechte Seite erklommen. Wie ich später von Thomas im Ziel erfahre, hat es auf der linken Seite einige „Läufer-Lawinen“ gegeben.  

Mit jedem Schritt schwinden die Kräfte und es steigt der Respekt vor dieser wahnsinnigen Steilheit. Im Augenwinkel, weit unterhalb von mir, nehme ich die Stirnlampen von anderen Läufern war. Ein falscher Tritt und ich liege dort unten.

Hier ist eine gute Mischung aus Kraft, Kondition und Trittsicherheit gefragt. Natürlich spielt auch die Materialwahl eine entscheidende Rolle. Die selbst gebastelten Spikes mancher Teilnehmer sind schon recht furchteinflößend, wenn ich daran denke, dass mir so einer auch entgegen kommen und ein Gemetzel anrichten könnte.  Wahrscheinlich heißt es auch deswegen „die Schlacht am Hahnenkamm“. Aber auch mit meinen, von Papa gebastelten Spikes, brauche ich mich nicht verstecken und finde recht ordentlichen Halt.

 

Doch an der extremsten Stelle, der Mausefalle, passiert es. Kurz vor dem Ausstieg komme ich ins Wackeln, ein Fehltritt und es geht abwärts für mich. Wo die Abfahtskünstler Svindal & Co. bis zu 80 Meter weit nach unten segeln, rutsche ich mit Vollgas den Arsch hinunter und komme erst wieder am Ausgang der Mausefalle zum Stehen. Aufstehen, abschütteln, froh sein, dass nichts Größeres passiert ist und weiter geht´s. Geärgert hat´s mich schon, aber man muss froh sein, dass man sich und vor allem anderen Läufer dabei nicht verletzt hat. Also „Mausefalle die Zweite“… Der Zielsprecher ist schon lange zu hören. Als ich nun endlich die obere Kante der Mausefalle überwinde sehe ich den finalen Anstieg hinauf zum Ziel. Hunderte Zuschauer bilden hier einen gigantischen Zieleinlaufkanal, brüllen mich die letzten Meter hinauf und kitzeln nochmal die letzten Körner aus mir heraus – a hell of a run!

Erst als ich im Ziel zum warmen Tee greife, bemerke ich meine blutigen Finger. Da hat wohl die Mausefalle „zugeschlagen“ :-) Meine Handschuhe hab ich mir zwei Minuten vor dem Start in die Tasche gesteckt, weil es ja soooo warm war… again what learned.

Fazit: das Vertical Up auf der Streif verspricht vom Start bis ins Ziel Adrenalin pur. Es ist definitiv nicht ganz ungefährlich und man sollte mit großem Respekt und guter Vorbereitung an die Strecke gehen – und natürlich mit Handschuhe ;-) Aus Veranstaltersicht lässt der Event keine Wünsche offen. Zusammen mit den Hauptsponsoren Audi Quattro und Händlmaier haben die Organisatoren da eine perfekte Veranstaltung hingezaubert. Mit meiner Leistung bin ich sehr zufrieden, auch wenn ich etwas Lehrgeld bezahlen musste. Im nächsten Jahr wird´s besser gemacht.

Hier geht´s zu den Ergebnissen: http://my5.raceresult.com/44996/results?lang=de#0_D6C566

Der Trailer zum Vertical Up 2016:

Hier noch ein paar schöne Impressionen von der Streif ;-)