Pitztal Trail Maniak 2014

Team Gamsbock glänzt beim Pitztal Trail Maniak

Maria gewinnt die Damenwertung, Markus 2. in der Gesamtwertung

Die Veranstalter des „Pitztal Trail Maniak“ sprechen vom „härtesten Alpin-Marathon der Alpen auf der spektakulärsten Strecke Europas“. Wolfgang Hochholzer und Markus Mingo waren bereits im letzten Jahr am Start und wissen, dass es sich bei diesen Worten nicht nur um Schaumschlägerei handelt: Die Kulisse für dieses atemberaubende Trailrunning Event im Pitztal bilden über 38 Dreitausender, imposante Gletscher, rauschende Wasserfälle und smaragdgrüne Bergseen. Es gilt 45 Kilometer und 3119 Höhenmeter im hochalpinen Gelände auf Höhen bis zu 3000 Metern zu bewältigen. Die Kombination aus dünner Höhenluft und anspruchsvollen Trails in extrem steilem, teilweise mit Schneefeldern gespicktem Terrain, fordert die Teilnehmer bis an ihre Grenzen und darüber hinaus.

Siegerehrung 42k (Foto: R. Hochholzer)

Ebenfalls für das Team Gamsbock über die Marathondistanz am Start waren Maria Koller Max und Richard Hochholzer. Katrin Hochholzer und Steffi Koller bewältigten die kürzere Strecke über 15 Kilometer.

Wie es den Bayerwäldlern bei diesem Wettkampf erging berichten sie in ihrem Trailrunning Tagebuch:

Maria, Start in Mandarfen: 7:45 Uhr

Das gesamte Team Gamsbock, einschließlich Betreuer, steht bereits „ganz heiß“ im Startbereich des 42 K Alpine – Marathon bereit. Die Stimmung ist sehr locker, wir begrüßen bekannte Gesichter und klären aufgrund des undefinierbaren Wetters letzte Kleidungsfragen. Wichtige Stärkungsmittel, wie beispielsweise der bombastische, wie sich später herausstellte super kraftbringende „Bio-Ochsenriegel“, werden im Rucksack verstaut.

Gelassenheit und Zuversicht vor dem Start (Foto: V. Mingo)

Nach dem „Zugspitz Basetrail“ ist dies erst mein zweiter Traillauf, der aber diesmal eine ganz andere Herausforderung ist - eine harte Nuss, die es zu knacken gilt. Dank ausführlicher Wegbesprechung mit Markus und unserem Wirt (Bergführer im Pitztal, der die Trails wohl wie seine eigene Jackentasche im Kopf hat), fühle ich mich gut vorbereitet.

Im Anschluss an die Begrüßung der Teilnehmer aller Nationen (unglaublich, die weitest angereisten Läufer nahmen sogar Strecken bis von Neuseeland auf sich), wird es schön langsam ernst. Gemeinsam zählen wir mit den anderen 155 Startern und den Zuschauern den Countdown von zehn Sekunden. 3 - 2 - 1 -  Startschuss.

Jetzt geht’s los!

Start in Mandarfen (Foto: K. Hochholzer)

Da Steffi und ich uns im vorderen Teil der Startergruppe platziert haben, kommen wir ohne größere Behinderungen aus dem Startbereich heraus, Wolfi und Markus noch dicht auf den Fersen.

Der erste Streckenabschnitt, etwa 2 km, führt über einen leicht fallenden Schotterweg, direkt am Fuße des Brand- (2676m) und Steinkogels (2632m) entlang nach Plangeross. Hier lautet die Devise „Tempo machen“, um sich eine möglichst gute Ausgangsposition für den vor uns liegenden, langen Anstieg zu sichern.

In Plangeross angekommen, atme ich noch einmal tief durch, packe die Stöcke aus dem Rucksack, dann geht’s ab in Richtung Kaunergrathütte, die auf 2750 hm liegt. Weiter führt die Route entlang an Wasserfällen über schmale Trails und Geröllfelder, vorbei an Almen und Schneefeldern knapp 1350 hm hinauf bis zur ersten Verpflegungsstation und anschließend noch einmal 200 hm bis zum höchsten Punkt des Trail-Marathons, dem „Steinbockmarterl“ (wie passend für uns Gamsböcke!) auf 2920 hm.

Der Weg bis zur Hütte ist sehr abwechslungsreich, aber hart, gekennzeichnet durch sehr steile Anstiege mit unbefestigten, teilweise felsigen Untergründen und zwei relativ flachen Teilpassagen - optimal um Geist und den Beinen eine kleine Erholung zu gönnen. Trotz anstrengender Trails empfinde ich den Weg hinauf als sehr schön, da es landschaftlich viel zu sehen und zu bewundern gibt. Doch genau so glücklich bin ich, als ich dann endlich die Verpflegungsstation erreiche. Hier wartet eine Truppe netter Bergwachtler auf mich, die mich mit Getränken, Essen und guten Zusprüchen optimal verpflegen. Sie berichten mir, dass ich als erste Dame hier oben angekommen bin. Ein Umstand, der mir bis dahin gar nicht bewusst war. Nach ausgiebiger Stärkung und mit einer super motivierenden Platzierung im Kopf, setzte ich mein Rennen, hinauf zum Steinbockmarterl, voller Begeisterung fort.

Max, Steinbockjoch (2920m):

Endlich bin ich am höchsten Punkt der Strecke. Das Steinbockjoch ist 2920 Meter hoch, ich bin durchgeschwitzt obwohl es lausig kalt ist. In den schroffen Felsabbrüchen neben dem Grat wallen die Nebel. Ich beginne zu laufen, vorsichtig, tastend zunächst. Dann kommt die Sicherheit und ich werde schneller. Es kommen zwei Steilabbrüche hinunter zu einem See. Fast senkrecht fällt der Grat hier ab. Drahtseile, Ketten und Bügel erleichtern den Abstieg. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unbedingt notwendig. Ich komme gut voran, auch die Schneefelder rutsche ich gut durch. Auf einem Geröllfeld bleibe ich an einem Felsen hängen, stürze und breche beide Laufstöcke ab. Beim Anstieg zum Verpeiljoch (2825 m) kommt uns eine Läufergruppe entgegen. Sie vermuten, sich verlaufen zu haben. Nach einigem hin und her finden wir wieder den Trail. Er folgt extrem steil und ausgesetzt einem Wasserfall, das Gras ist nass und rutschig. Das empfinde ich als grenzwertig, vor allem ohne Stöcke. Ich schwitze wieder – Angstschweiß vermutlich. Der Rest hinunter nach Trenkwald ist ein Traumtrail, aber auf den nassen Wurzeln ist volle Konzentration nötig. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass es schwierig wird, die zweite Runde in der Karenzzeit zu erreichen. An der Verpflegungsstation im Tal  sagt man mir, dass die Cut-Off-Zeit aufgehoben ist, wegen der schwierigen Bedingungen. Ich atme auf.

Wolfgang, Mandarfen:

1500 Höhenmeter rutschiger und halsbrecherischer Downhill nach Trenkwald liegen hinter mir und haben ganz schön Spuren hinterlassen. Nach zehn Stürzen habe ich das Zählen aufgehört – ich bin heilfroh das Teilstück mit nur wenigen Blessuren überstanden zu haben. Auf der Verpflegungsstation in Trenkwald treffe ich auf drei weitere Läufer, die den gerade erlebten/überlebten Downhill Revue passieren lassen – „so was krasses haben wir noch nie erlebt“. Ich tanke schnell auf und schließe mich der Gruppe an, da ich weiß, dass das bevorstehende Teilstück rauf nach Mandarfen ziemlich zäh werden wird. Die Stimmen und Töne aus dem Start-Ziel-Bereich in der Trail-City Mandarfen werden immer lauter. Ich freue mich über die bekannten Gesichter, die mich lautstark anfeuern und ich kann ein weiteres Teilstück abhacken und mich auf das nächste konzentrieren. Auf solch langen Wettkämpfen hilft es sehr, in Etappen zu denken und nicht von Anfang an die gesamte Distanz. Gut gestärkt geht es weiter Richtung Riffelsee. Der Anstieg, wiedermal brutal, 700 Höhenmeter auf 5,5 Kilometer zwingen mich in die Knie. Meine Mitstreiter muss ich in diesem Gelände ziehen lassen. Endlich, oben auf der Sunnaalm angekommen, freue ich mich sehr über die Anfeuerungsrufe unserer Supporter. Eine kurze Pause an der Verpflegungsstation gibt mir neue Kräfte und ich kann mich auf den folgenden zwei „leichteren Kilometern“ wieder erholen und im folgenden Schlussdownhill noch vier Positionen gut machen.

Markus, Fuldaer Höhenweg: 13:40 Uhr

Seit einer knappen Stunde habe ich die beiden Führenden Alexander Gstir und Philipp Brugger aus den Augen verloren. Lange Zeit bildeten wir zu Dritt die Führungsgruppe, doch nach einem Durchhänger beim Anstieg zum Riffelsee habe ich den Anschluss verloren. Auf den folgenden, wunderschönen Trails entlang des Offenbacher und Fuldaer Höhenweges kehrt der Spaß und damit die Lockerheit in den Beinen zurück und ich laufe inzwischen ganz entspannt und zufrieden dem Ende des Wettkampfes entgegen. Hinter mir konnte ich weit und breit keinen Verfolger erblicken und ich weiß, dass ich einen starken dritten Platz ins Ziel bringen werde. Doch kurz vor Ende des letzten Downhills sehe ich plötzlich die beiden Erstplatzierten nur einige hundert Meter vor mir. Damit hatte ich nicht gerechnet: der Abstand kann höchstens drei Minuten betragen und vor uns liegen noch fünf Kilometer Schotterweg bis zum Ziel. Ich entschließe mich zu kämpfen. Was eigentlich ein lockeres Auslaufen nach Mandarfen hätte werden sollen entwickelt sich zum regelrechten Showdown. Die brennenden Oberschenkel ignorierend rase Richtung Tal und merke, dass ich immer weiter aufhole. Die Läufer vor mir spüren, dass ich komme und drehen sich, sichtlich erschöpft, immer öfter um. Etwa ein Kilometer vor dem Ziel schließe ich zum Zweitplatzierten auf und komme, motiviert vom Zielsprecher und den jubelnden Zuschauern, auch dem Ersten immer näher. Doch es reicht nicht ganz zum Sieg. Nach 5h:58min:42s, 45 Kilometern und 3119 Höhenmetern laufe ich überglücklich und hochzufrieden mit 8 Sekunden Rückstand als 2. ein. Kurz nach mir erreicht Wolfgang als starker Fünfter das Ziel. Etwa eine Stunde später folgt Maria, die sensationell die Damenwertung gewinnt. Stefanie Felgenhauer aus Zwiesel finishte kurz darauf als zweite Frau und erhöhte die Bayerwaldquote auf dem Siegerpodest.

Maria als 1. Frau beim Zieleinlauf (Foto: M. Mingo)

Ergebnisse:

Männer

Platz

Name

Team

Zeit

1

Alexander Gstir

Bike & Run Imst

5:58:24

2

Markus Mingo

Team Gamsbock / ASICS Frontrunner

5:58:32

3

Philipp Brugger

SV Sistrans

5:59:46

4

Bernhard Buxbaumer

LT Techelsberg

6:18:26

5

Wolfgang Hochholzer

Team Gamsbock / ASICS Frontrunner

6:28:06

 

Frauen

Platz

Name

Team

Zeit

1

Maria Koller

Team Gamsbock / Mountix.com

7:18:15

2

Stefanie Felgenhauer

Team Mountix.com

7:28:24

3

Ildiko Wermescher

Mammut Pro Team

7:37:30

 

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